SCARIO
Um
470 v. Chr. wurden die Griechen im Gefolge von Clistene, auf der
Suche nach neuen Anbaugebieten und Absatzmärkten für
ihre Produkte, während eines schweren Sturmes an die Ufer
der Marina dell' Olivo geworfen.
Clistene war von dieser herrlichen Landschaft, die ihn an jene
seines Heimatlandes erinnerte, so entzückt, dass er sich
mit seinem Gefolge niederließ und eine kleine Siedlung mit
dem Namen Skaiòs gründete. Der Name bedeutete so viel
wie „ungünstig“ und verwies auf die tragischen
Umstände des Schiffbruchs.
Die Existenz dieser frühzeitlichen Ansiedlung wurde im Jahre
1924 bestätigt, als man während der Grabungsarbeiten
für den Friedhof der Stadt in der Nähe von Marina dell'Olivo
auf einige archäologische Fundstücke aus der Antike
stieß.
In der ersten Hälfte des 5. Jh.
n.Chr., zur Zeit der Überfälle der Barbaren in Italien,
wurde Skarius genauso wie das nahe Policastro, vollständig
von den Wandalen des Geiserich zerstört. Nur wenige der
Einwohner entkamen der Katastrophe, in dem sie auf den unwegsamen
Masseta-Felsen flüchteten.
Am Ende des 6. Jh. n. Chr., während
der byzantinischen Vorherrschaft in Italien, erlebte das gesamte
Gebiet um den Golf von Policastro eine fruchtbare und friedliche
Zeit. Da die Übergriffe und Zerstörungen der Barbaren
nachließen, kehrte die Bevölkerung von ihren Zufluchtsorten
in den nahegelegenen Hügeln an die Küste zurück,
wo sich infolgedessen der Fischfang und die Seefahrt wieder
belebten.
In den ersten Jahren des 9. Jh. begann
sich eine neue Gefahr am Horizont abzuzeichnen, die Streifzüge
der Sarazenen. Die sarazenischen Piraten von den nordafrikanischen
Küsten verbreiteten Angst und Schrecken unter der cilentanischen
Bevölkerung. Im Jahre 915 landeten Sarazenen von Agropoli
und Camerota kommend mitten in der Nacht im Hafen Porto dell'
Olivo und plünderten die Städte Policastro und Skarius.
Viele der Einwohner wurden getötet, andere gefangen genommen
und als Sklaven verkauft. Der Ort wurde in Schutt und Asche
gelegt. Die wenigen Überlebenden fanden Zuflucht in den
umliegenden Feldern.
Erst 1152 durch die Iniziative des Grafen Simone, Sohn des Herzogs
Roger II von Kalabrien, fand Scario zu Ruhe und Ordnung zurück.
Aber die nächsten Gefahren lauerten schon.
Im Jahre 1534 übergab der osmanische
Kaiser Soliman II das Kommando seiner Kriegsflotte dem berüchtigten
und grausamen Seeräubers Khair ed Din, auch “Barbarossa”
genannt. Dieser erreichte mit ungefähr 80 Schiffen im August
des gleichen Jahres den Golf von Policastro. Mit 12 seiner Schiffe
landete er im Hafen Porto dell' Olivo und plünderte, neben
der Stadt Policastro, auch Scario, das er darauf in Schutt und
Asche legte und viele seiner Einwohner versklavte.
Nachfolger Barbarossas am Kommando
der osmanischen Flotte wurde 1546 der grausame Korsar Dragut
Rais Bassà, der am 10. Juli 1552 mit 123 Schiffen unbemerkt
in den Golf von Policastro segelte. Dragut und seine Männer,
nachdem sie am Hafen Porto dell' Olivo an Land gegangen waren,
plünderten die Stadt Policastro erneut und steckten sie
in Brand. Im Anschluss zogen sie weiter nach Scario und säten
auch da Terror und Tod. Dies war das endgültige Ende von
Scario, dessen Bevölkerung fast vollständig durch
Ermordung, Folter und Versklavung ausgerottet war.
Nach der Zerstörung durch die Osmanen war das antike Scario
ein Jahrhundert lang ein unbewohnter und trostloser Ort. Erst
Mitte des 17. Jh., als die vom Meer kommenden Gefahren seltener
wurden, begannen einige Fischer damit eine Taverne und einige
Hütten zu konstruieren. Am Ende des 18. Jh. ließen
sich die Grafen Carafa am Ort ihre Sommerresidenz errichten
und Bewohner von San Giovanni a Piro, die die Küste dem
Inland vorzogen, siedelten sich trotz der Bedrohung durch die
Piraten hier an.
Dadurch konnte Scario auf seinen
antiken Ruinen wieder auferstehen, seiner langen und qualvollen
Geschichte, die sich heute mit Mythen und Legenden vermischt
hat, zum Trotz. In diese Zeit geht das langsame aber kontinuierliche
Wachstum des Ortes zurück und heute gehört Scario
zu den berühmtesten und einladendsten Touristenzentren
der unteren Cilento-Küste.
